6 In Reisen/ Reisevorbereitung

Warum ich ohne Bucket-List reise! – Und du brauchst auch keine.

Bucket-List

Oft werde ich gefragt: „Hast du auch eine Bucket-List?“, „Was steht denn alles auf deiner Bucket-List?“, „Welches Land steht als nächstes auf deiner Liste?“, „Warum hast du denn dieses Land noch nicht auf deiner Bucket-List?“.

Und oft höre ich auch: „Das muss unbedingt noch auf meine Bucket-List!“, „Das musst du gesehen haben!“, „Ich habe 100 Sachen auf meiner Bucket-List!“ oder „Meine Bucket-List ist ellenlang!“ :D.

Außerdem liegen in jedem Buchladen diese Bücher herum, mit Aussagen wie: „500 Dinge, die man im Leben getan haben muss“, „1000 places to see before you die“, „50 Dinge, die man im Leben einfach getan haben muss“, „Deine Bucket-Liste“ oder „100 Gerichte, die du gekocht haben musst, bevor du den Löffel abgibst“.

Auch im Internet kursieren wahnsinnig viele Artikel, die dich auf genau die gleiche Weise einwickeln wollen: „Wie du eine Bucket List schreibst, die dein Leben verändert“, „Meine Bucketlist – Warum jeder eine haben sollte“, „Bucket List: Eine Liste, die jeder braucht und wie du sie erstellst“ und „Welcher Bucket-List-Typ bist du?“.

Für mich hört sich das, ich sag’s dir ganz ehrlich: unerreichbar, fordernd und fremdbestimmt an. Die Bucket-List ist meiner Meinung nach zu einem richtigen Hype geworden. Warum das so ist, weiß ich nicht. Jeder braucht sie, jeder will sie und so gut wie jeder hat sie.

Wieso brauchen wir denn eine so genannte Bucket-List? Und was ist das eigentlich genau?

Eine Bucket-List ist eine To-Do-Liste, also eine Wunschliste, die wörtlich übersetzt „Eimer-Liste“ bedeutet. Auf deutsch nennt man die englische Metapher „kick the bucket“ den „Den Löffel abgeben“. Genauer gesagt ist das eine Liste mit den Dingen, die man vor seinem Lebensende noch abgearbeitet haben will. Ich schreibe hier bewusst das Wort „abarbeiten“. Warum muss ich denn etwas, was mir Spaß machen soll, AB-arbeiten? Warum muss ich mir überall und für alles Listen anlegen? Bin ich dann unabhängig? Mir gefällt es einfach nicht, eine Liste für mein Leben zu führen, die ich abhaken muss. Sonst gibt es doch auch überall Listen. Vor allem in der Arbeit begegnen sie mir oft. In meiner freien Zeit möchte ich doch freie Zeit. FREI-heit, die ich genießen kann. Und das geht für mich nur ohne aufgebundene To-Do-Liste.

Ohne Bucket-List nimmst du mehr wahr. Du lebst im hier und jetzt.

Für mich jedenfalls habe ich herausgefunden: Wenn ich eine Reise komplett vorplane, dann kann ich sie nicht so genießen – auch, wenn alle Sehenswürdigkeiten enthalten sind, die ich unbedingt anschauen möchte. Da ist natürlich jeder anders. Ich stehe aber eher auf Spontanität und langsameres Reisen. Ich liebe es einfach, kleine Gassen zu erkunden und mal vom Pfad abzukommen. So erlebe ich meistens die schönsten und faszinierendsten Momente.

Mein Bruder und ich haben auf Malta zum Beispiel eine halbe Stunde lang einer Ameisenkolonie zugesehen, wie sie versucht hat, ein Chips-Stück über eine kleine „Mauer“ zu tragen. Das werde ich nicht vergessen. Denn durch unser Interesse am „Boden“ kamen immer wieder Leute vorbei, die sich auch dafür begeistert haben. Einer blieb sogar länger stehen und hat sich gut mit uns unterhalten. Und das ist nur ein ganz kleines Beispiel von vielen spontanen und schönen Erlebnissen. Das kann vielleicht nicht jeder nachvollziehen. Aber auch ein paar Ameisen neben einer Statue im „Lower Barakka Garden“ können interessant sein 😉 .

Wenn es mein Ziel gewesen wäre, an diesem Tag einen Teil meiner Bucket-List zu erledigen, hätte ich mich wahrscheinlich nie darauf fokussieren können. Ich würde also die kleinen Dinge im Leben viel weniger wahrnehmen. Natürlich kann man seine Bucket-List – wenn man eine hat – auch sehr langsam abbauen. Aber ich hätte so immer den Drang – und das ist genau das richtige Wort – etwas neues auf ihr abzuhaken.

Ohne Bucket-List bist du flexibler.

Wie ja oben schon erwähnt, bin ich ein eher flexibler und spontaner Mensch. Ich mag es, unabhängig und frei zu sein. Und gerade das möchte ich auf meiner Reise auch gerne ausweiten. Wenn ich aufgrund einer Liste nicht an dem Ort bleiben könnte, der mich gerade total erfüllt, dann fühle ich mich unflexibel. Dann habe ich wieder das Gefühl, abhängig zu sein. So abhängig, wie in unserer tollen leistungsorientierten Gesellschaft. Das macht mir Druck. Abstriche werde ich während meiner Auszeit deshalb auf jeden keinen Fall machen. Und wie siehst du das?

Lass uns dazu kurz auf Traumreise gehen:

Stell dir vor, du bist an einem neuen, wunderschönen Ort angekommen, der auf deiner Bucket-Liste steht. Du ziehst deine Schuhe aus, stehst sofort mit den Füßen im warmen, weichen Sand. Du spürst einen leichten Wind über deinem Gesicht und atmest tief ein. Du schließt deine Augen und genießt die frische Luft in deinen Lungen. Du lauscht den Naturgeräuschen um dich herum. Die Sonne strahlt angenehm auf deinen Körper. Du lächelst und denkst dir: „Hier möchte ich eine Weile bleiben.“ Langsam öffnest du deine Augen wieder. Auf dem Boden siehst du eine hübsche Muschel liegen. Du hebst sie auf und steckst sie in deine Hosentasche. Dabei bemerkst du die Kanten eines zusammengefalteten Zettels. Ohne ihn herauszuholen, weißt du: „Das ist meine Bucket-List.“ Auf einmal ist alles um dich herum zweitrangig. Du kannst dich nicht entscheiden, ob du lieber deiner Intuition folgen oder dich an deiner Liste orientieren sollst.

Was tust du? Stellst du dein nächstes Ziel einfach wieder hinten an, oder machst du dich in 2 Tagen wieder auf den Weg zu deiner neuen unwiderstehlichen Destination?

Deine Reiseträume sind auch ohne Bucket-List umsetzbar.

Meiner Meinung nach lebt es sich ohne Bucket-List unbeschwerter. Weil ich langsamer und entspannter reisen möchte, lass‘ ich das mit der Bucket-List also lieber. Natürlich habe ich auch meine besonderen Reise- und Lebensträume. Ich weiß aber, dass sich diese Träume während meines Lebens noch oft verändern werden. Denn ich befinde mich in einem immer währenden, wachsenden Prozess. Du auch. Ich lerne täglich dazu und ändere auch öfters mal meine Ansichten über bestimmte Dinge. Genauso ist es mit den Wünschen. Und das wird nicht nur bei mir so sein, oder?

Wichtig ist mir, jeden Augenblick zu nutzen, die Welt um mich aufmerksam wahrzunehmen, achtsam zu sein und mich selbst zu verwirklichen. Manchmal braucht man dazu auch keinen Standortwechsel. Man kann auch in seinem Inneren ankommen. 😉 Deshalb kann ich dir nur empfehlen, deiner inneren Intuition zu folgen. Wenn aber eine Idee für eine neue Reise entsteht, versuche sie zeitnah umzusetzen, statt sie auf die Liste zu setzen. Denn auf der Liste stehen oft Sachen, die du möglicherweise nie mehr erreichen kannst. Lass dich nicht von einer Liste unterkriegen. Dazu fällt mir ein Zitat ein, das Astrid Lindgren mal gesagt hat:

„Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“

Haben Kinder eine Liste? Nein, sie haben Wünsche und lernen aus Neugierde und Spieldrang. Sie erforschen und LEBEN. Sie sind frech und wild und wunderbar. 😉 Denk mal drüber nach.

Bucket-List

 

Erzähl mir unten in der Kommentarfunktion gerne, was du von meiner Ansicht hältst. Hast du eine Bucket-List? Oder fährst du, so wie ich, auch ohne ganz gut?

With heart and creativity

 

 

 

 

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6 Comments

  • Reply
    Jana
    24/09/2017 at 10:59

    Hallo Jasmin,
    im Berufsleben und auch im privaten war mein Leben voller Todo-Listen. Immer einen Plan zu haben, gab scheinbar Sicherheit. In Wirklichkeit war das aber nur der letzte Strohhalm, um nicht im ganzen Stress unter zu gehen. Jetzt sind wir 6 Monate mit Wohnmobil und Hund in Europa unterwegs und ich habe mir zum Ziel gesetzt, nichts mehr zu planen. Es klappt und man achtet wieder auf die kleinen wundervollen Dinge auf dieser Erde. Für die Reise habe ich nur einen kleine gemalte Wunschliste. Darauf kleine Dinge, wie 4-blättriges Kleeblatt finden, barfuß im Sommerregen tanzen. Dinge, die Kinder immer einfach machen. Warum verlernen wir als Erwachsene, diese wundervollen Dinge zu sehen?
    Danke für deinen tollen Blogbeitrag. Liebe Grüße Jana

    • Reply
      backpacktherapy
      24/09/2017 at 16:37

      Liebe Jana,

      Dankeschön für deinen tollen Kommentar! Ja, im Job und auch privat braucht man oftmals Listen. Keine Bucket-List zu haben, bedeutet ja auch nicht, dass man gar nichts mehr vorplanen kann oder keine Wünsche mehr hat. 🙂
      Wichtig ist es mir einfach, sich darauf nicht zu versteifen und zu versuchen, das alles nicht zu ernst zu sehen, damit man achtsamer im Alltag wird – oder eben auch auf Reisen. Deshalb finde ich es super, dass du dir vorgenommen hast, gar nicht mehr zu planen! Voll schön zu hören, dass es so gut klappt und dass du damit die kleinen Dinge wieder besser wahrnimmst! Deine kleine Wunschliste klingt sehr schön – ich finde auch, wir sollten viel öfter darüber nachdenken, wie Kinder diese Welt sehen und erfahren! 🙂
      Ganz liebe Grüße, Jasmin

  • Reply
    L♥ebe was ist
    04/11/2017 at 15:53

    das finde ich großartig liebe Jasmin!
    tatsächlich bin ich bei meinen ersten Fernreisen nach Nepal und Indien auch komplett unvoreingenommen und ohne irgendeine „To-Do“-Liste gereist … und es war großartig! ich konnte mich so einfach trieben lassen und Land und Leute auf einen ganz einfache und angenehme Art kennenlernen 🙂

    ein SEHR WERTVOLLER Tipp!
    hab noch ein wundervolles Wochenende,
    ❤ Tina von http://liebewasist.com

    • Reply
      backpacktherapy
      05/11/2017 at 00:04

      Liebe Tina,
      wie schön! <3 Das hört sich nach einer richtig tollen Reise an, die du bestimmt von ganzem Herzen genossen hast und dabei einfach voll viel tolles für dein Leben gelernt hast! Ich finde das Treiben-Lassen so angenehm und entspannt! Und genau so ist es: Man lernt die Menschen so auf eine andere und besondere Weise kennen. Es ist so... viel echter... oder? 🙂
      Alles Liebe und danke für deinen Kommentar!!

  • Reply
    Karl-Heinz
    04/11/2017 at 20:58

    Ich sehe das auch so. Lasse mich lieber kurzfristig inspirieren und versuche, die Reise dann auch zu machen.

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